Eine verlorene Biene

 

Eine Biene schwarz und gelb, 

Sie folgte dem letzten Sonnenlicht.

Die Finsternis war schon ganz dicht

Und die Dunkelheit folgte ihr über’s Feld.


Nichts mehr kann sie sehn in der Welt,

Doch plötzlich – ein Licht erhellt

Den Ort nicht ganz weit weg,

An einem kleinen düsteren Fleck.


In diese Richtung flog sie schnell 

Und alles wurde langsam wieder hell. 

Näher und näher kam der Schein,

Sie fühlte sich schon fast daheim.


Doch, oh Graus, vor der Helle ist 

Eine  Fensterscheibe so unsichtbar! 

Oh nein, wahrlich, so ein Mist!

Die Biene sieht schon nicht mehr klar.


Alles dreht sich um sie rum,

Sie war wirklich sehr dumm.

Schwarz und schwärzer wird die Nacht,

Wie sie nun auf den Boden kracht!


Grün, Blau, Rot und Violett, 

Der Planet strahlt in Neonfarben!

Die Biene hat plötzlich so viele Fragen,

Ist das etwa ein ganz neuer Planet?


So herrlich entzückend ist es dort,

Überall stehen wunderschöne Pflanzen. 

Sie möchte nicht gehen, nicht von diesem Ort,

Sie könnte schon fast vor Freude tanzen.


Tiere so gross und klein, 

Überall scheinen sie zu sein.

Und eine blaue Raupe kommt auf sie zu 

„Ich hab dich noch nie gesehen, wer bist du?“


Dies fragt die blaue Raupe ganz gespannt.

„Ich bin eine Biene schwarz und gelb,“

Antwortet sie jetzt ganz angespannt.  

Was die Raupe wohl von ihr hält?

„Du bist aber sehr speziell…“

Erwiderte die Raupe angewidert 

„Ich, im Gegenteil bin individuell!“

Was soll ich denn jetzt noch erwidern?


Die Biene denkt und denkt,

Aber nichts fällt ihr ein.

Langsam – sie den Kopf senkt.

Das ist wirklich nicht fein.


Als die Biene wieder langsam aufschaut,

Ist die Raupe schon lange fort.

Und schon bald der Morgen wieder graut.

Wo bin ich denn, was ist das für ein Ort?


Die Umgebung hat sich sehr verändert,

Alles hier ist nur schwarz, grau und weiss. 

Wie sie nun durch die Gegend schlendert. 

Oh, nein sie hat sich verirrt, sie dreht sich im Kreis.


Oh nein, oh nein, warum passiert das denn nur?

So blöd, so blöd, ich kann es nicht fassen.

Aber so können wir das auch nicht lassen.

Hastig schaut die Biene auf die Uhr.

Drei Uhr morgens, was, schon so früh?

Sie merkt es aber, sie ist so müd.

Ich könnte noch eine Runde schlafen 

Und dann um Zehn ab Vier erwachen.

Und schon schläft sie ein.

Sie ist ganz süss und klein.

Sie verliert sich in  schönen Träumen, 

Von ihr in ganz hohen Bäumen.

Aber plötzlich sie ruhig erwacht,

Zu einer herrlichen Blumenpracht. 

Mist, ich habe schon wieder verschlafen,

Muss ich mich denn dafür bestrafen?!

Zuerst will die Biene eine Runde Nektar essen.

Von Blüte zu Blüte fliegt sie schnell und schneller,

Sie möchte immer noch mehr Pollen fressen. 

Und der Morgen wird hell und heller.

Nach einer Weile wird die Biene satt,

Darum legt sie sich auf ein blaues Blütenblatt.

Da schaut sie den weissen Wolken nach.

Doch plötzlich hört man einen lauten Krach. 

Was, oh was, die Wolken werden schnell grau,

Wahrlich, ein Gewitter zieht immer näher auf, 

Und langsam verschwindet im Himmel das Blau!

Biene, beeil dich, flieg schnell weg, lauf!!!

Doch es ist zu spät, Regen prasselt nieder.

Nein, sie spürt schon jetzt das Fieber!

Schwach und merklich schwächer wird sie, 

Das ist nicht wahr, das ist nur ihre Fantasie.

Fliegen kann sie leider nicht mehr,

Ihre Flügel sind nun viel zu nass

Und ihr Kopf wird plötzlich schwer,

Das ist alles zu viel, alles viel zu krass.

Die Biene sieht schon ganz verschwommen.

Warum ist es nicht schön wie im Sommer?

Sie ist schon langsam ganz benommen.

Da hört sie zum Glück den einen letzten Donner. 

Alles ist plötzlich ganz leise: 

Kein Donner, keine Blitze

Doch schau, ein Geflitze:

Nur eine harmlose Ameise.

„Wo in aller Welt bin ich denn hier?“

Die Biene unsicher und schüchtern fragt.

„Du bist auf der Erde, du bist bei mir.“

Die Ameise ganz besorgt sagt.

„Gegen eine Fensterscheibe bist du geflogen,

Wolltest du dich denn ermorden?

Alle dachten, du wärst gestorben.

Warte, warst du unter Drogen?“

„Äh, nichts dergleichen, so war es nicht.

Ich bin nur über‘s Feld geschwirrt, 

Doch da hatte ich mich schon verirrt

Und die Dunkelheit versperrte mir die Sicht.“

„Da oben aber, in dem Zimmer,

Da war ein kleiner Lichtschimmer,

Dorthin wollte ich ganz dringend gehn.

Konnte aber die Fensterscheibe nicht sehn.“

„Ich konnte nicht halten und es machte bumm. 

Ja, ich weiss, es war wirklich sehr dumm,“

Die Biene überlegt:„Habe ich vorhin gesponnen?“

„Aber dann bist zum Glück du gekommen.“

Die Ameise lächelt jetzt ganz bescheiden. 

Ja, das war wohl nicht zu vermeiden. 

Die Biene meint: „Horch, mir fällt etwas ein,

Ich war in einem anderen Universum ganz allein!“

„Ach, glaub mir, das war nur ein Traum, 

Du warst nur ein bisschen K.O.“

„Aber ich war in einem anderen Weltraum!“

„Es war nur deine Fantasie, es ist einfach so.“

„Trotzdem, ich kann es einfach nicht verstehen,

Da schau, die Sonne ist schon am Aufgehen!

„Geh schnell nach Hause, die andern Bienen warten ja.

„Ich geh schon, mein Stock ist doch ganz nah.“

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